Nachdem ich an einem ansonsten faulen Tag in Jinghong den letzten Post geschrieben hatte, bin ich dort nochmals ein paar Tage abgehangen. Im Grunde wollte ich erst mal sehn, was in Japan so weiter geht und auch etwas ausspannen nach den ewigen Busfahrten. In ein paar einzelnen westlich orientierten Kaffees treffen sich zwangsläufig alle Backpacker und ich lerne nette Leute kennen. Einen Nachmittag sehe ich mir den ganz netten, aber auch nicht besonderen, botanischen Garten von Jonghong an. Es regnet, trotzdem tut der Nachmittag draussen gut. Nach einem weiteren faulen Tag, die Nachrichten sind ja auch echt fürn Arsch im Moment, stehe ich am Bus Terminal in Jinghong. Da ich nur begrenzt Zeit habe und doch noch weiter Richtung Norden will, entscheide ich mich für den direkt Bus nach Dali, 14 Stunden, aber so verliere ich wenigstens keinen weiteren Tag in Kunming. Der Bus ist delux im Vergleich zu allem was ich bisher gesehen habe, ich hab ein eigenes kleines Bett im ersten Stock, ziemlich entspannt. Chinesische Toileten, speziell an den Bus Bahnhöfen und den Raststellen sind übrigens mit das übelste was einem passieren kann.Im Bus lerne ich Tanja aus Russland und Marie-Soleil aus Quebec Canada kennen, wir sind die einzigen Langnasen im voll ausgebuchten Bus und wollen alle nach Dali. Nachdem wir spät Nachts in Dali-Stadt ankommen, entscheiden wir uns kurzerhand für ein Hotel nähe Busbahnhof und teilen uns zu dritt ein Zimmer. Ein 24 Stunden Hotel Check-In ist in China fast normal. Am nächsten Tag verlieren wir Tanja an der Busstation. Tanja, kommt gerade von Indien, hat nicht mehr wirklich Kohle übrig und will eigentlich das ganze Stück bis nach Rus
sland trampen. Marie-Soleil und ich nehmen den Orts-Bus zur Altstadt von Dali. Die Altstadt sieht schon auf den ersten Blick nett aus. Nach unserer Ankunft und einigem gelaufe, um wieder mal das richtige Hostel zu finden, gönnen wir uns einen Kaffee in der Monkey Bar. Wir können unser Gepäck dort lassen und machen uns nochmals auf die Suche nach einem günstigen Backpacker. Dabei sehen wir schon einiges, es macht Spaß durch die Stadt zu laufen, vorbei an alten Gebäuden, chinesischen Dachgiebeln, engen Gassen, kleinen Mäuerchen und Gärten. Das Wetter ist nicht schlecht, die Sonne ist nur manchmal von ein paar Wolken verhangen und es hat um 20 Grad. Wir checken ins YHA ein, dass auch einen gemütlichen Garten hat. Am Abend spielt eine Band aus Quebec in der Monkey Bar, es gibt eigens gebrautes Bier, gute Musik und coole Leute. Tags drauf laufen wir zu den drei Pagodas, eine der Sehenswürdigkeiten nahe Dali. Vor Ort müssen wir aber feststellen, dass der Eintritspreis mit 13 Euro ziemlich happig ist. Die Fotos vom Eingang aus sind uns genug, wir setzen uns ein paar Meter weiter an einen grossen Kreisverkehr mit einer goldenen Vogel Statue und geniessen bei guter Aussicht süße Melonen. Die Kosten für Unterkunft in China sind ziemlich billig, für ca. 4 Euro bekommt man schon ein Zimmer. Busfahrten sind ebenfalls recht billig, lediglich die ganzen Eintritspreise zu den Sehenswürdigkeiten sind ziemlich teuer. Am Nachmittag laufen wir nochmals durch die nette Altstadt und geniessen Dali.Nachdem ich nur einen ganz groben Plan habe wo es in China eigentlich hin gehen soll, wollte ich eigentlich erst mal ein paar Tage in Dali bleiben. Da ich an den zwei Tagen Dali aber doch schon einiges gesehen habe und Marie-Soleil auf dem Weg nach Lijiang einen interessanten Zwischenstopp in einem kleinen Dorf einlegen will, fahre ich nach den zwei Tagen Dali mit nach Shaxi. Auf jeden Fall ungewohnt und im Grunde unerwünscht wieder einen festen Termin für einen Abflug im Kopf zu haben. Nach einigem hin und her finden wir heraus, wo wir mit welchem Bus bis wohin fahren
müssen um nach Shaxi zu kommen. Ungefähr sieben Stunden später, nach drei verschiedenen Bussen, mit unterschiedlichen kommunikativen Herausforderungen kommen wir im malerischen Shaxi an. Es ist ein echt kleines Örtchen und macht einen sehr ruhigen Eindruck. Wir finden auf Anhieb ein cooles Zimmer für 40 Yuan, in einem netten Häuschen mit Balkon und Blick auf die Berge. In dem ganzen Tal leben ungefähr 25.000 Menschen auf viele kleine Dörfer verteilt. Shaxi selbst wurde durch ein Rehabilitations Projekt, der ETH Zuerich und in Zusammenarbeit mit dem People’s Government of Jianchuan County, in Teilen wieder aufgebaut und restauriert (Link zum Projekt: http://www.nsl.ethz.ch:16080/irl/shaxi/frameset/frameOverview.htm). Nach unserer Ankunft verbringen wir einen tollen Nachmittag in den kleinen Gassen von Shaxi. Die Gebäude sind meist aus Holz oder bestehen in Teilen aus dicken Erdwänden, aus denen manchmal auch Pflanzen wachsen, es sieht und fühlt sich alles alt an hier, Touris sind kaum welche unterwegs und die Zeit scheint hier still zu stehen.Am nächsten Tag wollen wir eigentlich ein Bergkloster besuchen, im Lonely Planet steht etwas darüber, aber es steht nicht geschrieben wie man hin kommt und wo es ist. Wir laufen zwei weitere Stunden durch das kleine Örtchen, versuchen in vielen Hotels oder Gasthä
usern Informationen zu bekommen, aber es spricht einfach niemand englisch. Zufällig treffen wir eine Touristen Gruppe: Touristen, vielleicht können die uns helfen! Eine Gruppe Franzosen macht eine geführte Tagestour mit eigens organisiertem Guide. Der französische Guide, spricht neben französisch und englisch auch mandarin. Wir unterhalten uns eine ganze Weile, letztlich kommt er mit uns zu unserem Guesthouse und organisiert uns einen Minibus für den morgigen Tag. Shibao Shan, ist ein relativ großes Nature Reserve mit vielen verstreuten Templen in den umliegenden Bergen. Es ist sehr beeindruckend, wie hier kleine Tempel oder Statuen, an und in den Berg gebaut wurden. Viele Touristen sind nicht unterwegs, dafür aber viele wilde Affen. Von der Temple Anlage und aus den Bergen laufen wir die ganze Strecke zurück nach Shaxi. Dabei kommen wir immer wieder an in den Stein gemeißelten Schreinen und kleinen Tempeln vorbei. Die Aussicht bei gutem Wetter ist ebenfalls ein Hit, die Gegend um Shaxi ist einfach fett.Obwohl man hier leicht noch ein paar Tage entspannen könnte, machen wir uns Tags drauf, gegen Mittag weiter nach Lijiang.
Lijiang ist als Zwischenstopp nach Quiatou geplant. Als wir am frühen Abend in Lijiang ankommen sind wir irgendwie ziemlich fertig, die riesen Touristenmassen in der historischen Altstadt machen uns dann aber total platt. Die Suche nach einer billigen Unterkunft gestalltet sich schwierig und so checken wir am Ende in ein Wahnsinns Zimmer. Ein dicker TV an der Wand, eigener Computer, Chinesische Sitzecke mit Teekocher, ein Heizlüfter der wie eine Kamin aussieht und ein Badezimmer mit Heizlampen in der Decke, ziemlich dekadent eigentlich, aber für 7 Euro pro Nase doch erschwinglich. Heizdecken sind spätesten seit Dali in allen Gasthäusern Grundausstattung. Da es bereits spät ist, geben wir die Informationssuche bezüglich Tiger Leaping George, nach einigen Travel Agencys, in denen aber niemand englisch spricht, auf.Am nächsten Vormittag buchen wir den nächsten Bus nach Quiatou und kommen Nachmittags bei schönstem Sonnenschein in Jane's Guesthouse
an. Am Abend treffen wir per Zufall die beiden Julians aus Frankreich wieder, wir hatten die beiden bereits in Shaxi kennen gelernt und nette Abende. So machen wir uns als kleine Gruppe am nächsten Tag auf zum Tiger Leaping George. Dabei handelt es sich um ein ziemlich enges Tal durch das der Fluss Jangzi fließt, auf dem Weg durch das 16km lange Tal fällt dar Flusslauf mehr als 200 Höhenmeter. Das Tal ist eingefasst von zwei hohen Bergketten mit fast 6000 Meter, ein vertical Drop von fast 4000hm in einem Blick ist einfach nur erstaunlich. Der Trek ist ziemlich einfach zu laufen, alle Stunde gibt es einen Fotospot, an dem man Getränke kaufen kann und an dem man für ein Foto auch wirklich zahlen muss, an Gasthäusern kommt man alle zwei Stunden vorbei.
Wir haben keinen Stress, geniessen das wandern und die wahnsinnige Aussicht. Noch vor der Half-Way Hut bleiben wir in einem gemütlichen Guesthouse, die beiden Julians machen sich aus partytechnischen Gründen weiter bis zur Half-Way Hut. Abendessen gibt’s bei super Aussicht und Alpenglühen. Wieder lernen wir nette Leute kennen und haben einen coolen Abend. Die beiden Julians lesen wir am nächsten Tag in der Half-Way Hut auf und steigen gemeinsam ab, zum Half-Way Tiger Leaping George. Es sind bestimmt einige hundert Höhenmeter bis zum Talboden und zum Jangzi. Beim wiederaufstieg entscheiden wir uns für den schnellen, den einfachen, aber unsicheren Leiterweg. Das wirklich angsteinflößende an dieser Stelle war die Leiter nach den ersten 5 Metern, die Halterungen mit denen die Leiter im Berg verankert ist, sind meist total durchgerostet und lose. Beim weitersteigen fragt man sich, was die Leiter überhaupt am Berg hält und man stellt fest, dass man auf keinen Fall an einer so blöden Leiter sterben will. Unsere letzte Nacht verbringen wir in Sean's Guesthouse und man trifft alte Bekannte wieder. Tiger Leaping George, war für mich eines der Highlights in Yunnan, hier kann ich auf jeden nochmals herkommen um ein paar Tage verbringen.Aus Zeitmangel lassen wir die angrenzenden Täler aus und reisen von Tiger Leaping George direkt bis nach Shangrila. Die Fahrt führt über hohe Bergpässe, es gibt schneebedeckte Gipfel, Yaks und kleine Dörfer. Shangrila liegt auf 3200hm und die umliegenden Berge sind bis zu 4500 Meter hoch. Die Stadt liegt nahe an der tibetischen Grenze und ist für viele China Reisende eine gute Möglichkeit tibetanische Luft zu schnuppern. Einen Permit für Tibet gibt es soweit ich weiß nur mit komplett gebuchter und geführter Tour. Schon Nachmittags nach unserer Ankunft wollen wir noch eines der größten Klöster Chinas besuchen. Wir nehmen ein Taxi bis zum Eingang, der aber noch ein ganzes Stück vom Kloster entfernt ist. Als wir aus dem Taxi steigen, können wir das Kloster noch nicht einmal sehen.
Wir gehen zum Kassenbereich an dem in einem grossen Shop, Tee, Kräuter und Gewürze verkauft werden. Der Preis für das Kloster ist viel zu teuer, wir schleichen uns am Wachhaus vorbei, finden eine eingefallene Mauer und sind auf dem Weg zum Kloster. Auf dem Weg kommen wir an einer Gruppe Locals vorbei, die gerade angefangen hat die eingefallene Mauer zu reparieren, es sagt aber niemand etwas und so laufen wir weiter um kurz darauf einen tollen Blick auf das Kloster zu haben. Wir wandern noch ein wenig durch die Huegel, sehen uns das Kloster aber nicht aus nächster Nähe an. Abends gibt es einen Hot Pot mit ein vielen netten Leuten. Per Zufall treffe ich ein Mädchen, dass Tanja schon in Laos getroffen hatte, schon witzig wie klein die Welt manchmal ist. Einen weiteren Tag verbringen wir in Shangrila und sehen uns ein wenig die Umgebung an bevor es wieder zurück nach Lijiang geht.In Lijiang verbringen wir einen Tag mit Shoppen, Tanja hat ja bald Geburtstag und so kaufe ich ein paar nette Geschenke. Mit dem Nachbus geht es aber auch schon wieder weiter. Kunming ist riesig, am ersten Tag flüchten wir sofort aus der Stadt und wandern durch die western Hills. Wir verbringen einen Tag mit Stadt Besichtigung und sehen uns den Bird Market an. Zwei ein halb Wochen China sind viel zu wenig Zeit, allein in der Yunnan Province kann man 30 Tage leicht verbringen. Ein Eindruck von China bleibt, es steht auf jeden Fall auf meiner Liste, mehr von China zu sehen. Am 30ten setze ich Marie-Soleil in ein Taxi und sag Aufwiedersehen. Ihr Flug geht am fünften April von Hanoi zurück nach Canada, sie hat aber noch genügend Zeit, sich die Reisterassen von Yunnan anzusehen, die ich leider aussparen muss. Mein Flug geht am 31ten morgens um neun nach Bangkok. Endlich wieder Hitze, nähe Kaosan Road finde ich ein cooles Backpacker und genieße drei Tage Bangkok. Mit vielen guten Erinnerungen im Gepäck, geht es für mich am vierten April weiter in ein neues Kapitel, Good bye Asia – Hello Melbourne and Australia! Frohe Ostern euch allen und tolle Tage, genießt die Zeit - life is awesome!
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